PFAS im Trinkwasser

„Ewigkeitschemikalien", kaum abbaubar; Grenzwerte ab 2026; Entfernung per Aktivkohle/Osmose.

Definition und chemischer Hintergrund

Der Begriff PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Chemisch handelt es sich um eine riesige Stoffgruppe von über 10.000, nach manchen Zählungen sogar mehr als 12.000 synthetischen Verbindungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist eine Kette aus Kohlenstoffatomen, an die Fluoratome gebunden sind. Diese Kohlenstoff-Fluor-Bindung gehört zu den stärksten Bindungen der gesamten organischen Chemie – und genau das macht PFAS so besonders und so problematisch.

Weil diese Bindung so stabil ist, werden PFAS in der Natur kaum abgebaut. Sie sind gleichzeitig wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie hitzebeständig. Diese Eigenschaften haben sie über Jahrzehnte zu beliebten Industriechemikalien gemacht. Die bekanntesten Vertreter sind PFOA und PFOS, die in der EU heute weitgehend verboten beziehungsweise streng beschränkt sind. Trotzdem sind sie in der Umwelt längst weit verbreitet.

Warum nennt man PFAS „Ewigkeitschemikalien“?

Der Spitzname „Ewigkeitschemikalien“ (englisch: forever chemicals) ist keine Übertreibung, sondern beschreibt eine reale chemische Eigenschaft. Die extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung sorgt dafür, dass PFAS in der Umwelt praktisch nicht von selbst zerfallen. Während organisches Material normalerweise von Mikroorganismen, Sonnenlicht oder Wasser nach und nach abgebaut wird, bleiben PFAS über Jahrzehnte stabil.

Das hat zwei Folgen, die Sie kennen sollten. Erstens: Einmal in den Wasserkreislauf gelangt, verschwinden PFAS nicht einfach wieder, sondern verteilen sich über Grundwasser, Flüsse und letztlich auch das Trinkwasser. Zweitens: Auch in Ihrem Körper werden sie nur sehr langsam abgebaut. Die Halbwertszeiten einzelner PFAS liegen im Bereich von mehreren Jahren. Das bedeutet, dass selbst kleine, aber regelmäßige Mengen sich über die Zeit anreichern können. Genau diese Kombination aus Langlebigkeit und Anreicherung ist der Grund, warum Behörden weltweit inzwischen so genau hinschauen.

Wie gelangen PFAS überhaupt ins Wasser?

PFAS sind kein natürlicher Bestandteil von Wasser – sie kommen ausschließlich aus menschengemachten Quellen. Die wichtigsten Eintragswege ins Grund- und Oberflächenwasser sind dabei klar dokumentiert. Industrieabwässer aus Betrieben, die PFAS herstellen oder verarbeiten, zählen zu den Hauptquellen. Ebenso relevant ist der Einsatz von Feuerlöschschäumen, sogenannten AFFF-Schäumen, etwa auf Flughäfen, Militärgeländen und Feuerwehr-Übungsplätzen. An solchen Standorten ist der Boden oft über Jahre hinweg mit PFAS belastet.

Ein weiterer, oft unterschätzter Weg ist die landwirtschaftliche Ausbringung von Klärschlamm auf Feldern. Enthält dieser Schlamm PFAS, können die Stoffe in den Boden und von dort ins Grundwasser sickern. Hinzu kommen historische Altlasten, etwa alte Deponien oder ehemalige Industriestandorte. Über all diese Pfade wandern PFAS in den Wasserkreislauf. Weil sie sich gut in Wasser lösen und kaum abbaubar sind, breiten sie sich mit dem Grundwasserstrom aus – was erklärt, warum die Belastung regional sehr unterschiedlich ausfällt.

EintragsquelleTypische BeispieleBezug zum Wasser
IndustrieabwässerPFAS-herstellende oder -verarbeitende BetriebeDirekte Einleitung in Gewässer und Kläranlagen
Feuerlöschschäume (AFFF)Flughäfen, Militärgelände, ÜbungsplätzeVersickerung in Boden und Grundwasser
Klärschlamm auf FeldernLandwirtschaftliche Düngung mit belastetem SchlammAuswaschung ins Grundwasser
AltlastenAlte Deponien, ehemalige IndustriestandorteLangfristige Freisetzung ins Grundwasser
KonsumprodukteAntihaftpfannen, Textilien, Verpackungen, KosmetikIndirekter Eintrag über Abwasser und Entsorgung

Wie gefährlich sind PFAS für die Gesundheit?

Hier ist eine sachliche Einordnung wichtig – ohne Panikmache, aber auch ohne zu beschönigen. PFAS reichern sich im Körper an, weil sie nur sehr langsam ausgeschieden werden. Wissenschaftliche Studien bringen eine höhere PFAS-Belastung mit einer Reihe von Effekten in Verbindung: erhöhte Cholesterinwerte, eine geschwächte Immunantwort (unter anderem eine reduzierte Wirkung von Impfungen) sowie Effekte auf Leber, Schilddrüse und auf die Fruchtbarkeit beziehungsweise das Geburtsgewicht von Neugeborenen.

Besonders bedeutsam ist die Einstufung der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC aus dem Jahr 2023: Sie stufte PFOA als „krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 1) ein und PFOS als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B). Wichtig ist dabei das Verständnis, dass diese Einstufungen die grundsätzliche Gefährlichkeit eines Stoffes beschreiben, nicht das individuelle Risiko bei einer bestimmten Dosis. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dafür eine konkrete Bezugsgröße abgeleitet: eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht für die Summe aus PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS. Dieser Wert dient als wissenschaftliche Grundlage für die Bewertung der Belastung.

Welche neuen Grenzwerte gelten ab 2026 und 2028?

Die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV) reagiert auf die wachsende Datenlage mit erstmals verbindlichen PFAS-Grenzwerten, die schrittweise in Kraft treten. Sie sollten die beiden zentralen Stichtage kennen, weil sie die Überwachung Ihres Leitungswassers direkt betreffen.

Ab dem 12. Januar 2026 gilt ein Grenzwert für die Summe von 20 ausgewählten PFAS (sogenannte PFAS-20) von höchstens 0,10 Mikrogramm pro Liter, also 100 Nanogramm pro Liter. Ab dem Jahr 2028 kommt zusätzlich ein strengerer Wert hinzu: Die Summe der vier als besonders relevant geltenden Verbindungen PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS (die PFAS-4) darf dann 0,020 Mikrogramm pro Liter, also 20 Nanogramm pro Liter, nicht überschreiten. Diese gestaffelte Einführung gibt den Wasserversorgern Zeit, ihre Messungen und gegebenenfalls ihre Aufbereitung anzupassen. Mehr zu den allgemeinen Rahmenwerten finden Sie in unserem Beitrag zu den Grenzwerten.

Ab wannParameterGrenzwert
12.01.2026Summe PFAS-20≤ 0,10 µg/l (100 ng/l)
2028Summe PFAS-4 (PFOA, PFOS, PFNA, PFHxS)≤ 0,020 µg/l (20 ng/l)

Wie lassen sich PFAS aus dem Wasser entfernen?

Die gute Nachricht zuerst: PFAS lassen sich aus Wasser herausfiltern – allerdings nur mit den richtigen Verfahren. Wirksam sind im Wesentlichen drei Technologien. Aktivkohle bindet PFAS an ihrer porösen Oberfläche und ist besonders bei langkettigen PFAS effektiv. Ionenaustauscher entfernen PFAS, indem sie die geladenen Moleküle gegen unbedenkliche Ionen austauschen. Und die Umkehrosmose drückt das Wasser durch eine extrem feine Membran, die auch sehr kleine Moleküle wie PFAS zurückhält.

Mindestens genauso wichtig ist zu wissen, was nicht hilft. Einfache Sedimentfilter, die nur Partikel und Trübstoffe zurückhalten, entfernen keine gelösten PFAS. Und auch das oft empfohlene Abkochen bringt nichts – im Gegenteil: Weil PFAS hitzebeständig sind und beim Verdampfen des Wassers nicht mit verschwinden, kann sich ihre Konzentration durch Abkochen sogar leicht erhöhen. Wenn Sie gezielt gegen PFAS vorgehen wollen, führt der Weg also über die genannten Verfahren wie einen Aktivkohlefilter oder die Umkehrosmose.

MaßnahmeWirkt gegen PFAS?Anmerkung
AktivkohleJaBesonders bei langkettigen PFAS effektiv
IonenaustauscherJaTauscht geladene PFAS-Moleküle aus
UmkehrosmoseJaFeine Membran hält auch kleine Moleküle zurück
SedimentfilterNeinEntfernt nur Partikel, keine gelösten Stoffe
AbkochenNeinPFAS sind hitzebeständig; kann Konzentration erhöhen

Was können Sie selbst tun?

Vorab eine wichtige Einordnung, damit Sie das Thema realistisch einschätzen: Deutsche Wasserversorger überwachen PFAS zunehmend, und mit den neuen Grenzwerten wird diese Kontrolle weiter verschärft. Die tatsächliche Belastung ist regional sehr unterschiedlich – in vielen Regionen liegt sie niedrig, in der Nähe bekannter Eintragsquellen kann sie höher sein. Das bedeutet: Es besteht kein Grund zur Panik, aber es lohnt sich, informiert zu handeln.

Der erste sinnvolle Schritt ist, Klarheit über Ihr eigenes Wasser zu bekommen. Den aktuellen Befund für Ihr Versorgungsgebiet können Sie in der Regel beim örtlichen Wasserversorger erfragen, der die Werte veröffentlichen muss. Haben Sie einen eigenen Brunnen oder möchten Sie es genau wissen, hilft eine gezielte Wasseranalyse. Erst auf dieser Datenbasis sollten Sie entscheiden, ob und welche Filterlösung für Sie sinnvoll ist – denn nicht jeder Haushalt braucht zwingend eine zusätzliche Aufbereitung.

Häufige Fragen zu PFAS im Trinkwasser

Sind PFAS in jedem Trinkwasser enthalten?

Nicht zwangsläufig in relevanten Mengen. PFAS sind in der Umwelt zwar weit verbreitet, die tatsächliche Belastung des Trinkwassers ist aber regional sehr unterschiedlich. In vielen Gebieten liegen die Werte niedrig, in der Nähe bekannter Eintragsquellen wie Flughäfen oder Industriestandorten können sie höher ausfallen. Den konkreten Wert für Ihr Gebiet erfahren Sie bei Ihrem Wasserversorger.

Kann ich PFAS schmecken oder sehen?

Nein. PFAS sind farb-, geruch- und geschmacklos und kommen in sehr geringen Konzentrationen vor, die in Nanogramm pro Liter gemessen werden. Sie können sie also weder sehen noch riechen oder schmecken. Sicherheit gibt nur eine Laboranalyse oder die veröffentlichten Werte Ihres Versorgers.

Hilft Abkochen gegen PFAS?

Nein, Abkochen hilft nicht. PFAS sind hitzebeständig und werden durch Kochen nicht zerstört. Weil beim Kochen Wasser verdampft, die PFAS aber zurückbleiben, kann sich ihre Konzentration sogar leicht erhöhen. Gegen PFAS wirken nur Aktivkohle, Ionenaustauscher oder Umkehrosmose.

Welcher Filter entfernt PFAS am besten?

Wirksam sind Aktivkohle, Ionenaustauscher und Umkehrosmose. Aktivkohle ist besonders bei langkettigen PFAS effektiv, die Umkehrosmose hält über ihre feine Membran ein sehr breites PFAS-Spektrum zurück. Welche Lösung für Sie passt, hängt von Ihrer konkreten Belastung und Ihrem Bedarf ab – idealerweise klären Sie das auf Basis einer Wasseranalyse.

Was bedeuten PFAS-20 und PFAS-4?

Das sind Summenparameter aus der Trinkwasserverordnung. PFAS-20 umfasst 20 ausgewählte PFAS-Verbindungen mit einem Grenzwert von 0,10 µg/l ab Januar 2026. PFAS-4 fasst die vier besonders relevanten Stoffe PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS zusammen, für die ab 2028 ein strengerer Grenzwert von 0,020 µg/l gilt.

Sind PFOA und PFOS nicht längst verboten?

PFOA und PFOS sind in der EU tatsächlich weitgehend verboten beziehungsweise streng beschränkt. Das Problem ist ihre Langlebigkeit: Weil sie über Jahrzehnte in der Umwelt verbleiben, sind sie aus früheren Einträgen weiterhin in Boden, Grundwasser und teils auch im Trinkwasser nachweisbar – auch wenn keine neuen Mengen mehr hinzukommen.

Muss ich mir Sorgen um mein Leitungswasser machen?

Akute Panik ist nicht angebracht. Leitungswasser in Deutschland wird streng überwacht, und die neuen Grenzwerte verschärfen die Kontrolle zusätzlich. Sinnvoll ist ein informierter Umgang: Fragen Sie die Werte bei Ihrem Versorger ab und entscheiden Sie auf dieser Grundlage, ob eine zusätzliche Filterung für Sie Sinn ergibt.

Cheatsheet: PFAS im Trinkwasser in fünf Punkten

  1. PFAS sind über 10.000 synthetische „Ewigkeitschemikalien“, die wegen ihrer Kohlenstoff-Fluor-Bindung kaum abbaubar sind.
  2. Sie gelangen über Industrie, Löschschäume, Klärschlamm und Altlasten ins Grund- und Trinkwasser.
  3. Im Körper reichern sie sich über Jahre an und werden mit Effekten auf Cholesterin, Immunsystem, Leber und Schilddrüse assoziiert.
  4. Ab 12.01.2026 gilt PFAS-20 ≤ 0,10 µg/l, ab 2028 zusätzlich PFAS-4 ≤ 0,020 µg/l.
  5. Wirksam herausfiltern: Aktivkohle, Ionenaustauscher, Umkehrosmose – Abkochen und Sedimentfilter helfen nicht.

PFAS im Trinkwasser sind ein ernstzunehmendes, aber gut beherrschbares Thema – entscheidend ist, dass Sie Ihre konkrete Belastung kennen und die richtigen Verfahren wählen. Vertiefen Sie Ihr Wissen in unseren Beiträgen zur Trinkwasserverordnung, zum Grundwasser als Eintragspfad und zur Wasseranalyse, mit der Sie Gewissheit über Ihr eigenes Wasser bekommen.

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Portrait von Manuel Lesti, persönlicher Ansprechpartner bei Wasserprinz in Augsburg.
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Manuel Lesti
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