KBE

Maß für vermehrungsfähige Keime je 1/100 ml; Indikatorparameter (Grenzwert 100 KBE/ml).

Definition und Hintergrund

KBE ist die Abkürzung für Koloniebildende Einheiten, im englischen Sprachraum als CFU (colony forming units) bekannt. Der Parameter beschreibt, wie viele vermehrungsfähige Mikroorganismen, also vor allem Bakterien und Pilze, in einem definierten Volumen Wasser stecken. Die Bezugsgröße ist je nach Untersuchung 1 Milliliter oder 100 Milliliter. Sie lesen den Wert deshalb fast immer in der Form KBE/ml oder KBE/100 ml.

Der entscheidende Punkt: KBE zählt keine einzelnen Zellen unter dem Mikroskop, sondern teilungsfähige Einheiten, die unter bestimmten Laborbedingungen zu einer sichtbaren Kolonie heranwachsen. Damit ist KBE ein klassischer Indikator- und Summenparameter. Er sagt Ihnen nicht, welche Keime genau vorliegen, sondern liefert ein hygienisches Gesamtbild Ihres Wassers. Für die rechtliche Bewertung von Trinkwasser ist diese allgemeine Koloniezahl seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Routineparameter.

Wie entsteht aus einer Bakterienzelle eine zählbare Kolonie?

Wie kommt das Labor überhaupt von einem Schluck Wasser zu einer konkreten Zahl? Das Prinzip ist erstaunlich anschaulich. Eine genau abgemessene Wassermenge wird auf oder in einen festen Nährboden gebracht, der die Keime mit allem versorgt, was sie zum Wachsen brauchen. Anschließend kommt die Probe für eine definierte Zeit in den Brutschrank.

Jede einzelne vermehrungsfähige Zelle bleibt an ihrem Ort liegen und teilt sich dort immer weiter. Nach der Bebrütung ist aus einer Zelle ein mit bloßem Auge sichtbarer Punkt geworden, eine Kolonie aus Millionen Nachkommen. Genau diese sichtbaren Kolonien werden gezählt. Eine Kolonie entspricht dabei einer koloniebildenden Einheit. Der kleine, aber wichtige sprachliche Trick mit dem Wort Einheit hat einen Grund: Manchmal bilden mehrere zusammenhängende Zellen gemeinsam nur eine Kolonie. Deshalb spricht man bewusst von Einheiten und nicht schlicht von Zellen.

  • Probenahme: Ein definiertes Volumen wird steril entnommen, häufig 1 ml oder 100 ml.
  • Aufbringen: Die Probe gelangt auf oder in den Nährboden, oft per Membranfiltration bei 100 ml.
  • Bebrütung: Die Platte ruht für eine festgelegte Dauer bei festgelegter Temperatur im Brutschrank.
  • Auszählung: Die sichtbaren Kolonien werden gezählt und auf das Bezugsvolumen umgerechnet.

Warum erfasst KBE nicht alle Keime im Wasser?

Bedeutet ein niedriger KBE-Wert, dass Ihr Wasser keimfrei ist? Nein, und das ist eine der wichtigsten Einsichten zu diesem Parameter. KBE zählt ausschließlich Mikroorganismen, die unter den gewählten Bedingungen tatsächlich anwachsen. Temperatur, Zusammensetzung des Nährbodens und Bebrütungsdauer entscheiden mit, welche Keime sichtbar werden und welche nicht.

Viele Umweltkeime stellen ganz andere Ansprüche und bleiben deshalb unsichtbar. Hinzu kommt das Phänomen der sogenannten VBNC-Keime, kurz für viable but non-culturable. Diese Mikroorganismen leben und können unter Umständen sogar gefährlich sein, lassen sich aber mit Standard-Nährböden nicht zur Vermehrung bewegen. Sie tauchen in der KBE-Zählung schlicht nicht auf. Daraus folgt die Faustregel: Ein KBE-Wert ist ein verlässlicher Indikator und ein Frühwarnsystem, aber keine vollständige Inventur aller Lebewesen in Ihrem Wasser.

Warum gleich zwei Bebrütungstemperaturen?

Für die allgemeine Koloniezahl im Trinkwasser werden zwei getrennte Werte bestimmt, einer bei 22 Grad und einer bei 36 Grad. Das ist kein Zufall, sondern Absicht. Bei 22 Grad wachsen bevorzugt typische Umwelt- und Wasserkeime. Dieser Wert spiegelt also die allgemeine Wasserhygiene und zeigt zum Beispiel Stagnation oder Verunreinigungen im Leitungssystem an.

Bei 36 Grad, nahe an der menschlichen Körpertemperatur, gedeihen dagegen eher Keime, die hygienisch und medizinisch relevant sind, weil sie sich auch im oder am Menschen wohlfühlen. Ein erhöhter 36-Grad-Wert ist deshalb ein deutlicheres Warnsignal. Zusammen geben Ihnen beide Temperaturen ein wesentlich vollständigeres Bild als ein einzelner Messwert.

Welche KBE-Grenzwerte schreibt die Trinkwasserverordnung vor?

Welche Zahlen sind nun erlaubt und ab wann wird es kritisch? Die Trinkwasserverordnung legt für die allgemeine Koloniezahl klare Bezugswerte fest. Für beide Bebrütungstemperaturen gilt jeweils ein Wert von 100 KBE/ml. Diese Werte beziehen sich auf das Wasser, wie es aus Ihrer Leitung kommt, und dienen der Überwachung der allgemeinen mikrobiologischen Beschaffenheit.

Davon zu unterscheiden ist der Maßnahmenwert für Legionellen, der sich auf Warmwasser bezieht und mit 100 KBE/100 ml ein anderes Bezugsvolumen nutzt. Wichtig ist auch die Abgrenzung zu den eigentlichen Indikatorkeimen: Für Bakterien wie Escherichia coli gilt nicht 100, sondern ein klarer Nullwert von 0 in 100 ml. Solche fäkalen Indikatorkeime dürfen im Trinkwasser also gar nicht nachweisbar sein, während eine moderate allgemeine Koloniezahl normal ist.

ParameterWertBedeutung
Allgemeine Koloniezahl bei 22 Grad100 KBE/mlErfasst vor allem Umweltkeime, Indikator für die allgemeine Wasserhygiene und Stagnation
Allgemeine Koloniezahl bei 36 Grad100 KBE/mlErfasst körpernahe Keime, hygienisch-medizinisch deutlicheres Warnsignal
Legionellen-Maßnahmenwert100 KBE/100 mlBezieht sich auf Warmwasser, ab diesem Wert sind Maßnahmen erforderlich
Escherichia coli (zum Vergleich)0/100 mlFäkaler Indikatorkeim, darf im Trinkwasser nicht nachweisbar sein

Was treibt die KBE-Werte im Hausnetz nach oben?

Woher kommen erhöhte KBE-Werte, wenn das Wasser am Wasserwerk noch einwandfrei war? In den allermeisten Fällen liegt die Ursache nicht im öffentlichen Netz, sondern in Ihrer eigenen Hausinstallation. Mikroorganismen finden dort Bedingungen, unter denen sie sich vermehren können, und genau das schlägt sich in steigenden Koloniezahlen nieder.

  • Stagnation: Steht Wasser lange in Leitungen, etwa nach Urlaub oder in selten genutzten Strängen, vermehren sich Keime ungestört.
  • Zu niedrige Warmwassertemperatur: Wird das Warmwasser nicht heiß genug gehalten, entsteht ein ideales Wachstumsfenster, besonders für Legionellen.
  • Biofilm: An Rohrinnenwänden bildet sich ein schützender mikrobieller Belag, aus dem laufend Keime ins Wasser abgegeben werden.
  • Defekte oder ungeeignete Bauteile: Verschlissene Dichtungen, tote Leitungsenden und ungeeignete Materialien begünstigen Keimwachstum.

Die gute Nachricht: Viele dieser Ursachen lassen sich mit einfachen Mitteln entschärfen. Regelmäßige Wasserentnahme, eine ausreichend hohe Warmwassertemperatur und das fachgerechte Beseitigen toter Leitungsenden senken das Risiko deutlich. Wenn Sie wissen wollen, wie es um die Keimzahl in Ihrem Wasser steht, bringt nur eine Untersuchung im akkreditierten Labor Gewissheit.

Häufige Fragen zu KBE

Was bedeutet die Abkürzung KBE genau?

KBE steht für Koloniebildende Einheiten, im Englischen CFU für colony forming units. Der Wert gibt an, wie viele vermehrungsfähige Mikroorganismen in einem definierten Volumen Wasser stecken, meist bezogen auf 1 ml oder 100 ml. Jede teilungsfähige Zelle, die im Labor zu einer sichtbaren Kolonie heranwächst, zählt als eine KBE. Damit ist es ein Maß für die Keimbelastung Ihres Wassers.

Sind 100 KBE/ml gefährlich für die Gesundheit?

Nein, 100 KBE/ml ist der Bezugswert der Trinkwasserverordnung für die allgemeine Koloniezahl, kein akuter Gefahrenwert. Er dient der Überwachung der allgemeinen Wasserhygiene. Erst eine deutliche oder dauerhafte Überschreitung gibt Anlass, der Ursache nachzugehen. Entscheidend sind zusätzlich die fäkalen Indikatorkeime wie E. coli, die im Trinkwasser gar nicht nachweisbar sein dürfen.

Warum wird bei 22 und bei 36 Grad gemessen?

Beide Temperaturen erfassen unterschiedliche Keimgruppen. Bei 22 Grad wachsen vor allem Umweltkeime, dieser Wert beschreibt die allgemeine Wasserhygiene und zeigt etwa Stagnation an. Bei 36 Grad, also körpernah, gedeihen eher hygienisch-medizinisch relevante Keime. Ein erhöhter 36-Grad-Wert ist deshalb das deutlichere Warnsignal. Zusammen ergeben beide Messungen ein vollständigeres Bild Ihrer Wasserqualität.

Erfasst der KBE-Wert wirklich alle Keime?

Nein. KBE zählt nur Mikroorganismen, die unter den gewählten Laborbedingungen anwachsen. Viele Umweltkeime und sogenannte VBNC-Keime, die zwar leben, sich aber nicht kultivieren lassen, bleiben unsichtbar. Deshalb ist KBE ein Indikator- und Summenparameter und ein gutes Frühwarnsystem, aber keine vollständige Inventur sämtlicher Lebewesen in Ihrem Wasser. Für gezielte Fragestellungen braucht es ergänzende Verfahren.

Was unterscheidet KBE von Indikatorkeimen wie E. coli?

Die allgemeine Koloniezahl in KBE ist ein Summenparameter über viele harmlose Umwelt- und Wasserkeime, für den Bezugswerte von 100 KBE/ml gelten. E. coli dagegen ist ein gezielter Indikatorkeim für fäkale Verunreinigung und muss im Trinkwasser mit 0 in 100 ml komplett fehlen. Eine moderate Koloniezahl ist normal, ein E.-coli-Nachweis dagegen immer ein klares Alarmzeichen.

Wie lasse ich die KBE in meinem Wasser bestimmen?

Eine belastbare KBE-Bestimmung gelingt nur im akkreditierten Labor, denn Probenahme, Nährboden und Bebrütung müssen genormten Bedingungen folgen. Sie entnehmen die Probe nach genauer Anleitung in sterile Gefäße und schicken sie zeitnah ein. Heimtests können solche mikrobiologischen Werte nicht zuverlässig liefern. Eine professionelle Wasseranalyse zeigt Ihnen Koloniezahl, Indikatorkeime und weitere relevante Parameter im Zusammenhang.

Cheatsheet: KBE in fünf Punkten

  1. KBE steht für Koloniebildende Einheiten (englisch CFU) und misst vermehrungsfähige Keime je 1 ml oder 100 ml.
  2. Im Labor wird jede Zelle, die zu einer sichtbaren Kolonie heranwächst, als eine KBE gezählt.
  3. KBE erfasst nur kultivierbare Keime, VBNC- und viele Umweltkeime bleiben unsichtbar, es ist ein Indikatorparameter.
  4. Bezugswert für die allgemeine Koloniezahl: je 100 KBE/ml bei 22 und bei 36 Grad, Legionellen-Maßnahmenwert 100 KBE/100 ml.
  5. Erhöhte Werte deuten auf Stagnation, zu kühles Warmwasser, Biofilm oder defekte Bauteile in der Hausinstallation hin.

KBE ist also ein zentraler Baustein, wenn Sie die mikrobiologische Seite Ihres Wassers verstehen wollen. Wie der Wert konkret erhoben wird, erfahren Sie im Beitrag zur Wasseranalyse. Welche Vorgaben die Trinkwasserverordnung macht, vertieft der jeweilige Glossarbeitrag. Geht es speziell um den Warmwasser-Maßnahmenwert, hilft Ihnen der Beitrag zu Legionellen weiter.

Wissenschaftliche und rechtliche Quellen

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023): Rechtsverbindliche Grenz- und Maßnahmenwerte, unter anderem für die allgemeine Koloniezahl und Legionellen.
  • Umweltbundesamt: Empfehlungen und Bewertungsgrundlagen zur mikrobiologischen Trinkwasserhygiene und zu Untersuchungsverfahren.
  • Robert Koch-Institut: Fachinformationen zu Krankheitserregern, Indikatorkeimen und hygienischer Bewertung von Keimzahlen.

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Portrait von Manuel Lesti, persönlicher Ansprechpartner bei Wasserprinz in Augsburg.
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