Mineralwasser

Wasser ist nicht gleich Wasser. In diesem Fachbeitrag dekonstruieren wir die strenge rechtliche Definition von natürlichem Mineralwasser. Wir erklären, warum es als einziges Lebensmittel amtlich anerkannt werden muss, welche Behandlungsverfahren gesetzlich erlaubt sind und wie es sich trennscharf von Quellwasser, industriellem Tafelwasser und medizinischem Heilwasser unterscheidet.
Natürliches Mineralwasser in einer Mehrweg-Glasflasche
Natürliches Mineralwasser bewahrt in Glas-Mehrwegflaschen seine ursprüngliche Reinheit am besten.

Unterschiede der Wasserarten im Überblick

Die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVo) unterscheidet abgepackte Wässer strikt nach Herkunft, Zusammensetzung und Zulassungsverfahren. Die folgende Tabelle bietet eine präzise Abgrenzung:

Eigenschaft Natürliches Mineralwasser Quellwasser Tafelwasser Heilwasser
Ursprung Unterirdisch, geschützt Unterirdisch Trinkwasser, ggf. mit Zusätzen Unterirdisch, geschützt
Abfüllung am Quellort Zwingend erforderlich Zwingend erforderlich Nicht erforderlich Zwingend erforderlich
Behördliche Prüfung Amtliche Anerkennung (MTVo § 2) Anforderungen nach MTVo § 9 und TrinkwV Anforderungen nach MTVo Anlage 7 Arzneimittelzulassung (BfArM)
Mineraliengehalt Konstant (geologisch bedingt) Schwankungen zulässig Künstlich zugesetzt oder variabel Therapeutisch wirksame Mineralisierung

Welche Anforderungen stellt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVo)?

Die Qualität von Flaschenwässern in Deutschland wird durch die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVo) reguliert. Nach § 2 MTVo darf ein Wasser nur dann als „natürliches Mineralwasser“ bezeichnet werden, wenn es spezifische Kriterien erfüllt. Es muss von ursprünglicher Reinheit sein und darf in seiner essenziellen Zusammensetzung nicht verändert werden.

  • Unterirdische Herkunft: Das Wasser muss aus tiefen, durch Gesteinsschichten geschützten Aquiferen (Grundwasserleitern) stammen und über eine oder mehrere natürliche oder künstlich erschlossene Quellen gewonnen werden. Ein anschauliches Beispiel ist das Plose-Wasser aus Südtirol, das in 1.870 Metern Höhe zutage tritt.
  • Konstanz: Der Gehalt an Mineralien, Spurenelementen und sonstigen Bestandteilen muss im Rahmen natürlicher Schwankungen über Jahre hinweg stabil bleiben.
  • Quellabfüllung: Um mikrobiologische Verunreinigungen und Veränderungen der Zusammensetzung auf dem Transportweg auszuschließen, ist die Abfüllung direkt am Quellort in die für den Endverbraucher bestimmte Verpackung gesetzlich vorgeschrieben.
  • Amtliche Anerkennung: Vor dem Inverkehrbringen muss die zuständige Landesbehörde die Quelle nach geologischen, hydrogeologischen, chemischen und mikrobiologischen Kriterien prüfen und förmlich anerkennen.

Welche Behandlungsverfahren sind bei Mineralwasser erlaubt?

Die Natürlichkeit des Produkts steht an oberster Stelle. Die nach § 6 MTVo zulässigen Behandlungen sind daher abschließend definiert und stark begrenzt. Erlaubt ist die Abtrennung unbeständiger Bestandteile wie Eisen-, Mangan-, Schwefel- und Arsenverbindungen durch Filtration oder Dekantation, gegebenenfalls nach vorheriger Belüftung oder Behandlung mit ozonangereicherter Luft. Voraussetzung: Die wesentliche Zusammensetzung des Wassers in seinen charakteristischen Bestandteilen darf dabei nicht verändert werden. Zusätzlich darf natürliche Quellkohlensäure entzogen oder zugesetzt werden, ebenso CO₂ aus anderer Herkunft (dann ist die Kennzeichnung „mit Kohlensäure versetzt“ verpflichtend). Eine chemische Desinfektion etwa durch Chlorung, wie sie bei kommunalem Trinkwasser zulässig ist, ist bei natürlichem Mineralwasser strikt verboten.

Was ist der Unterschied zu Tafelwasser?

Während natürliches Mineralwasser ein reines Naturprodukt ist, handelt es sich bei Tafelwasser um ein industriell hergestelltes Mischgetränk. Nach Anlage 7 MTVo darf Tafelwasser aus Trinkwasser, natürlichem Mineralwasser, Meerwasser, natürlichem salzhaltigem Wasser, Sole sowie ausgewählten Mineralsalzen (etwa Calciumchlorid, Natriumbicarbonat oder Magnesiumcarbonat) und Kohlensäure zusammengesetzt werden. Da Tafelwasser keinen geografischen Herkunftsschutz genießt, darf es an jedem Ort hergestellt und in beliebige Gebinde abgefüllt werden. Eine amtliche Anerkennung ist nicht erforderlich. Auf dem Etikett genügt eine Zutatenliste, ein Analysenauszug der Mineralien wie bei natürlichem Mineralwasser ist nicht vorgeschrieben.

Wer wissen möchte, wie sich Mineralwasser darüber hinaus von Leitungswasser unterscheidet, findet im Wasserprinz Blog einen ausführlichen Vergleich beider Wasserarten.

Wasserprinz Fachwissen: Die Bedeutung von Glas-Mehrweg

Als Getränkeexperten wissen wir, dass Wässer mit feiner Mineralisierung besonders sensibel auf Fremdaromen reagieren. Aus qualitativer und sensorischer Sicht empfehlen wir daher Wässer in Glas-Mehrwegflaschen. Glas ist chemisch inert: Es geht keine Wechselwirkung mit dem Wasser ein, gibt keine Stoffe in das Naturprodukt ab und nimmt keine Aromen auf. So bleibt der ursprüngliche Charakter des Terroirs exakt erhalten, genau so, wie das Wasser der Quelle entsprungen ist. Ein Beispiel für eine besonders feine Mineralisierung ist Black Forest, das als kochsalzärmstes Mineralwasser Deutschlands gilt.

Wie liest man einen Analysenauszug?

Bei natürlichem Mineralwasser ist der sogenannte Analysenauszug auf dem Flaschenetikett verpflichtend. Er listet die genaue chemische Zusammensetzung der gelösten Ionen in Milligramm pro Liter auf. Unterschieden wird dabei zwischen positiv geladenen Kationen (etwa Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium) und negativ geladenen Anionen (etwa Hydrogencarbonat, Sulfat, Chlorid, Fluorid).

Die werblichen Auslobungen sind in Anlage 6 MTVo abschließend geregelt. So darf ein Wasser beispielsweise erst dann den Hinweis „geeignet für eine natriumarme Ernährung“ tragen, wenn der Natriumgehalt unter 20 Milligramm pro Liter liegt. Andere Wässer sind geologisch so geprägt, dass sie hohe Mengen Hydrogencarbonat enthalten, was geschmacklich für eine weiche Note sorgt und im Stoffwechsel als natürlicher Säurepuffer wirken kann. Wässer mit über 1.300 mg/l Hydrogencarbonat dürfen die Auslobung „bicarbonathaltig“ tragen. Eine vergleichsweise hohe natürliche Mineralisierung weist beispielsweise Montcalm Mineralwasser aus den französischen Pyrenäen auf.

Eine Übersicht aller von uns geführten Mineralwässer findest du in unserem Wasser-Sortiment. Weitere Hintergründe zu Trinkwasser, Mineralwasser und Getränken sammelt unser Getränkewissen-Bereich.

Wissenschaftliche und rechtliche Quellen

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Portrait von Manuel Lesti, persönlicher Ansprechpartner bei Wasserprinz in Augsburg.
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