Hydrogencarbonat im Wasser

Hydrogencarbonat (HCO₃⁻, auch Bicarbonat) ist das wichtigste Anion vieler Mineralwässer und entsteht, wenn kohlensäurehaltiges Wasser kalkhaltiges Gestein löst. Es bestimmt die Säure- und Pufferkapazität, macht das Wasser basisch mit höherem pH-Wert und ist die Grundlage der Karbonathärte. Ab mehr als 600 mg/l ist die Auslobung „bicarbonathaltig" zulässig; in der TrinkwV gibt es keinen Grenzwert.

Definition und Hintergrund

Hydrogencarbonat ist ein Anion mit der Formel HCO₃⁻ und trägt die ältere, gleichbedeutende Bezeichnung Bicarbonat. Chemisch handelt es sich um das einfach geladene Salz der Kohlensäure (H₂CO₃), die wiederum entsteht, wenn sich Kohlendioxid (CO₂) in Wasser löst. In gelöster Form bilden Kohlensäure, Hydrogencarbonat und Carbonat ein Gleichgewicht, das den Säure-Basen-Haushalt des Wassers maßgeblich prägt. Hydrogencarbonat ist dabei die bei natürlichen pH-Werten dominierende Form.

Ins Wasser gelangt Hydrogencarbonat über einen natürlichen Prozess im Untergrund: Versickerndes Regenwasser nimmt CO₂ aus Luft und Boden auf und wird dadurch leicht sauer. Trifft dieses kohlensäurehaltige Wasser auf kalkhaltiges Gestein wie Kalkstein oder Dolomit, löst es daraus Calcium und Magnesium heraus und überführt den schwer löslichen Kalk in gut lösliches Hydrogencarbonat. So erklärt sich, warum hydrogencarbonatreiche Wässer fast immer aus Regionen mit Kalk- oder Dolomitgestein stammen.

Wie entsteht Hydrogencarbonat im Wasser?

Die Entstehung von Hydrogencarbonat ist eng mit der sogenannten Kalk-Kohlensäure-Reaktion verbunden. Sie läuft über mehrere Stufen ab und erklärt zugleich, warum hartes Wasser und ein hoher Hydrogencarbonatgehalt so oft zusammenfallen. Im Kern handelt es sich um einen geologischen Lösungsvorgang, der sich über Jahre und Jahrzehnte im Grundwasserleiter abspielt.

  • CO₂-Aufnahme: Regenwasser nimmt im Boden Kohlendioxid auf und bildet daraus geringe Mengen Kohlensäure.
  • Gesteinslösung: Die schwache Kohlensäure greift kalkhaltiges Gestein an und löst Calciumcarbonat in Lösung.
  • Umwandlung: Aus dem schwer löslichen Carbonat entsteht das gut lösliche Hydrogencarbonat, das im Wasser verbleibt.
  • Anreicherung: Je länger das Wasser durch Kalkgestein fließt, desto mehr Hydrogencarbonat sammelt sich an.

Aus diesem Zusammenhang folgt eine wichtige Erkenntnis: Hydrogencarbonat ist kein Schadstoff und kein Hinweis auf Verunreinigung, sondern das natürliche Ergebnis eines geologischen Prozesses. Wässer mit viel Hydrogencarbonat sind in der Regel mineralreich und gut gepuffert. Welche Folgen das für Geschmack, Härte und Gesundheit hat, betrachten die folgenden Abschnitte im Detail.

Der entscheidende Faktor für die Höhe des Gehalts ist die Verweildauer des Wassers im Gestein. Tief liegende, alte Grundwasservorkommen, die über lange Zeiträume durch mächtige Kalkschichten geströmt sind, weisen typischerweise die höchsten Hydrogencarbonatwerte auf. Auch der CO₂-Nachschub spielt eine Rolle: In vulkanisch geprägten Regionen kann zusätzliches Kohlendioxid aus dem Untergrund aufsteigen und die Lösungskraft des Wassers erheblich verstärken. Solche Wässer sind oft besonders mineralreich und tragen häufig die Bezeichnung Heilwasser oder Mineralwasser mit hohem Gehalt. Aus der geologischen Herkunft eines Wassers lässt sich somit bereits viel über seinen Charakter ableiten, noch bevor man die genauen Werte auf dem Etikett betrachtet.

Hydrogencarbonat, pH-Wert und basisches Wasser

Hydrogencarbonat ist der entscheidende Akteur, wenn es um die Säure- und Pufferkapazität eines Wassers geht. Mit Pufferkapazität ist die Fähigkeit gemeint, den pH-Wert auch dann stabil zu halten, wenn Säuren oder Basen hinzukommen. Hydrogencarbonat kann sowohl Säuren als auch Basen abfangen und wirkt dadurch wie ein chemischer Stoßdämpfer. Genau diese Eigenschaft macht es im Wasser so bedeutsam.

Ein hoher Hydrogencarbonatgehalt verschiebt das Säure-Basen-Gleichgewicht in Richtung basisch. Solche Wässer weisen tendenziell einen höheren pH-Wert auf und werden umgangssprachlich als basisches Wasser bezeichnet. Der Zusammenhang ist direkt: Je mehr Hydrogencarbonat ein Wasser enthält, desto stärker ist seine basische Reserve und desto unempfindlicher reagiert der pH-Wert auf äußere Einflüsse.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen pH-Wert und Pufferkapazität. Der pH-Wert beschreibt nur den momentanen Säuregrad, während die durch Hydrogencarbonat bereitgestellte Pufferkapazität angibt, wie widerstandsfähig dieser Wert ist. Ein Wasser kann einen mäßig basischen pH-Wert und gleichzeitig eine sehr hohe Pufferkapazität haben. Für die oft beworbene basische Wirkung eines Wassers ist letztlich der Hydrogencarbonatgehalt der aussagekräftigere Wert.

In der Wasserchemie wird die durch Hydrogencarbonat gebildete Pufferkapazität als Säurekapazität bezeichnet und über einen Laborwert quantifiziert. Dieser Wert beschreibt, wie viel Säure ein Liter Wasser aufnehmen kann, bis sein pH-Wert deutlich absinkt. Je höher der Hydrogencarbonatgehalt, desto größer die Säurekapazität und desto stabiler bleibt das Wasser gegenüber äußeren Einflüssen. Diese Eigenschaft ist nicht nur für den Geschmack relevant, sondern auch technisch bedeutsam, etwa für die Korrosionseigenschaften des Wassers in Leitungssystemen. Ein gut gepuffertes, hydrogencarbonatreiches Wasser gilt in dieser Hinsicht als ausgeglichen und materialschonend.

Karbonathärte und Gesamthärte: Wo Hydrogencarbonat hineinspielt

Hydrogencarbonat ist die chemische Grundlage der Karbonathärte, die früher auch temporäre Härte genannt wurde. Diese Bezeichnung rührt daher, dass sich dieser Härteanteil durch Erhitzen verflüchtigt: Beim Kochen zerfällt das Hydrogencarbonat, es entweicht CO₂ und es bildet sich wieder fester Kalk – jener Belag, der sich in Wasserkochern und Rohrleitungen absetzt. Die Karbonathärte ist also der Teil der Wasserhärte, der mit Hydrogencarbonat verbunden ist.

Von der Karbonathärte zu unterscheiden ist die Gesamthärte. Sie umfasst den gesamten Gehalt an Calcium und Magnesium, unabhängig davon, an welches Anion diese gebunden sind. Die Wasserhärte insgesamt setzt sich somit aus der Karbonathärte und der sogenannten Nichtkarbonathärte zusammen, die etwa durch Sulfate oder Chloride entsteht. In vielen deutschen Wässern macht die Karbonathärte den größten Teil der Gesamthärte aus.

Für die Praxis bedeutet das: Ein hoher Hydrogencarbonatgehalt geht meist mit hartem Wasser einher und begünstigt die Bildung von Kalk. Das ist gesundheitlich völlig unbedenklich, kann aber im Haushalt zu Kalkablagerungen führen. Wer den genauen Anteil kennen möchte, findet die Karbonathärte und den Hydrogencarbonatwert in der Wasseranalyse seines Versorgers oder auf dem Etikett eines Mineralwassers.

Geschmack, Auslobung und Mineralwasser

Hydrogencarbonat beeinflusst nicht nur die Chemie, sondern auch den Geschmack eines Wassers spürbar. Wässer mit hohem Gehalt schmecken in der Regel weich, mild und rund, weil das Anion die wahrgenommene Säure abmildert. Bei Sprudelwasser spielt Hydrogencarbonat zusätzlich eine Rolle, da es mit der zugesetzten oder natürlichen Kohlensäure in Wechselwirkung steht und die Spritzigkeit harmonischer wirken lässt.

Rechtlich ist der Hydrogencarbonatgehalt für die Kennzeichnung von Mineralwasser relevant. Die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung erlaubt die Auslobung „bicarbonathaltig“ beziehungsweise „hydrogencarbonathaltig“ erst dann, wenn der Gehalt mehr als 600 Milligramm pro Liter beträgt. Diese Angabe auf dem Etikett ist also ein verlässlicher Hinweis darauf, dass es sich um ein ausgesprochen mineralreiches und basisch geprägtes Wasser handelt.

Auf dem Etikett finden Sie den Hydrogencarbonatwert in der Mineralstofftabelle, meist in Milligramm pro Liter angegeben und häufig gemeinsam mit Calcium, Magnesium, Natrium und Sulfat aufgeführt. Wer ein mildes, weiches Wasser bevorzugt, orientiert sich an einem hohen Hydrogencarbonat- und einem moderaten Sulfatgehalt, da Sulfat dem Geschmack eine herbere Note verleiht. Für die tägliche Bewertung eines Wassers lohnt sich deshalb der Blick auf das Verhältnis der einzelnen Mineralstoffe zueinander und nicht nur auf einen einzelnen Wert. Der Hydrogencarbonatgehalt ist dabei einer der aussagekräftigsten Anhaltspunkte für den Gesamtcharakter eines Wassers.

Hydrogencarbonatgehalt Einordnung Bewertung
< 300 mg/l Niedriger Gehalt Eher weiches, gering gepuffertes Wasser
300–600 mg/l Mittlerer Gehalt Ausgewogen, gut gepuffert, milder Geschmack
> 600 mg/l Hydrogencarbonatreich Auslobung „bicarbonathaltig“ zulässig, deutlich basisch
> 1.800 mg/l Sehr hoch (oft Heilwasser) Ausgeprägt basisch, säureausgleichende Wirkung
Hydrogencarbonat im Wasser – Einordnung der Werte Schematische Wertskala für Hydrogencarbonat im Wasser: drei Bereiche von niedrig bis hoch mit den Schwellen 300 mg/l und 600 mg/l. Hydrogencarbonat im Wasser Einordnung der Werte · Angaben in mg/l 300 mg/l 600 mg/l 0–300 wenig 300–600 mittel > 600 reich Wenig · unter 300 mg/lGeringe Pufferung,eher niedriger pH-Wert. Mittel · 300–600 mg/lAusgewogenerMineralwasser-Bereich. Bicarbonathaltig · über 600 mg/lAuslobung erlaubt (MTVO),basisch & magenfreundlich. Quelle: TrinkwV 2023 · MTVO Anlage 6 wasserprinz.de
Hydrogencarbonat hat keinen Grenzwert – ab 600 mg/l gilt „bicarbonathaltig“ (MTVO).

Hat Hydrogencarbonat im Wasser einen gesundheitlichen Nutzen?

Hydrogencarbonatreiche Wässer werden seit Langem mit einer säureausgleichenden Wirkung in Verbindung gebracht. Der naheliegendste Effekt betrifft den Magen: Trinkt man ein hydrogencarbonatreiches Wasser, kann es überschüssige Magensäure teilweise abpuffern. Viele Menschen empfinden das als angenehm und greifen bei gelegentlichem Sodbrennen bewusst zu solchen Wässern, häufig zu Natrium-Hydrogencarbonat-Wässern mit zusätzlich höherem Natriumgehalt.

Darüber hinaus wird Hydrogencarbonat eine basische, den Säure-Basen-Haushalt unterstützende Wirkung zugeschrieben. Besonders ausgeprägt ist der Hydrogencarbonatgehalt bei vielen Heilwässern, die teils mehr als 1.800 mg/l enthalten und deren gesundheitsbezogene Wirkung amtlich anerkannt sein muss. Solche Wässer werden mitunter gezielt zur Unterstützung bei säurebedingten Beschwerden eingesetzt.

Bei aller positiven Einordnung gilt: Hydrogencarbonat ist kein Heilmittel, sondern ein natürlicher Wasserinhaltsstoff. Für gesunde Menschen ist es in jeder üblichen Konzentration unbedenklich und in der Trinkwasserverordnung ist bewusst kein Grenzwert festgelegt. Wer wegen einer Erkrankung auf den Natriumgehalt achten muss, sollte allerdings beachten, dass viele hydrogencarbonatreiche Wässer zugleich natriumreich sind, und die Etikettenangaben prüfen.

Häufige Fragen zu Hydrogencarbonat im Wasser

Was ist der Unterschied zwischen Hydrogencarbonat und Bicarbonat?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied. Hydrogencarbonat ist die heute übliche, fachlich korrekte Bezeichnung für das Anion HCO₃⁻, während Bicarbonat der ältere, gleichbedeutende Name ist. Auf Etiketten von Mineralwasser finden Sie beide Begriffe, sie bezeichnen denselben Inhaltsstoff. Die Auslobung „bicarbonathaltig“ und „hydrogencarbonathaltig“ meint somit exakt dasselbe.

Ist Hydrogencarbonat im Wasser schädlich?

Nein. Hydrogencarbonat ist ein natürlicher Bestandteil vieler Wässer und für gesunde Menschen in jeder üblichen Konzentration unbedenklich. Die Trinkwasserverordnung legt deshalb auch keinen Grenzwert fest. Im Gegenteil wird hydrogencarbonatreichen Wässern eine eher positive, säureausgleichende Wirkung zugeschrieben. Lediglich bei einer natriumarmen Ernährung sollten Sie auf den oft erhöhten Natriumgehalt achten.

Macht Hydrogencarbonat das Wasser basisch?

Ja, in gewissem Maße. Ein hoher Hydrogencarbonatgehalt verschiebt das Säure-Basen-Gleichgewicht in Richtung basisch und sorgt für einen tendenziell höheren pH-Wert. Vor allem aber liefert Hydrogencarbonat die Pufferkapazität, also die basische Reserve, die den pH-Wert stabil hält. Deshalb gelten hydrogencarbonatreiche Wässer als typische Vertreter von basischem Wasser.

Hilft hydrogencarbonatreiches Wasser gegen Sodbrennen?

Hydrogencarbonatreiches Wasser kann überschüssige Magensäure teilweise abpuffern und wird von vielen Menschen bei gelegentlichem Sodbrennen als angenehm empfunden. Besonders Natrium-Hydrogencarbonat-Wässer und entsprechende Heilwässer werden hierfür genutzt. Es handelt sich dabei jedoch um eine unterstützende Wirkung und keinen Ersatz für eine ärztliche Behandlung bei anhaltenden Beschwerden.

Was hat Hydrogencarbonat mit der Wasserhärte zu tun?

Hydrogencarbonat ist die chemische Grundlage der Karbonathärte, früher temporäre Härte genannt. Diese ist ein Teil der Gesamthärte, die den gesamten Calcium- und Magnesiumgehalt umfasst. Da Hydrogencarbonat beim Erhitzen wieder zu festem Kalk wird, geht ein hoher Gehalt meist mit hartem Wasser und Kalkablagerungen einher. Gesundheitlich ist das unbedenklich.

Ab wann darf ein Mineralwasser als bicarbonathaltig ausgelobt werden?

Nach der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung darf ein Mineralwasser die Angabe „bicarbonathaltig“ beziehungsweise „hydrogencarbonathaltig“ tragen, wenn der Hydrogencarbonatgehalt mehr als 600 Milligramm pro Liter beträgt. Diese Auslobung auf dem Etikett ist ein verlässlicher Hinweis auf ein mineralreiches, deutlich basisch geprägtes Wasser mit weichem Geschmack.

Cheatsheet: Hydrogencarbonat im Wasser in fünf Punkten

  1. Hydrogencarbonat (HCO₃⁻, auch Bicarbonat) ist das wichtigste Anion vieler Mineralwässer.
  2. Es entsteht, wenn kohlensäurehaltiges Wasser kalkhaltiges Gestein löst.
  3. Hydrogencarbonat liefert die Puffer- beziehungsweise Säurekapazität und macht das Wasser basisch.
  4. Es ist die Grundlage der Karbonathärte und sorgt für einen weichen, milden Geschmack.
  5. Ab mehr als 600 mg/l gilt ein Wasser nach MTVO als bicarbonathaltig; in der TrinkwV gibt es keinen Grenzwert.

Hydrogencarbonat zeigt, dass ein hoher Mineralgehalt im Wasser meist ein Pluspunkt ist: Das Anion sorgt für einen milden Geschmack, einen stabilen pH-Wert und eine säureausgleichende Reserve. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, schauen Sie sich an, wie der pH-Wert den Säuregrad beschreibt, was basisches Wasser ausmacht oder wie der gesamte Mineralstoffgehalt eines Wassers zu bewerten ist.

Quellen

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Portrait von Manuel Lesti, persönlicher Ansprechpartner bei Wasserprinz in Augsburg.
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